Romanze

Wilhelm Ferdinand Halter

Drei Jungfräulein im Grünen

An einen Schleenzaun,

Die waren holder Minen,

Goldgelbig, schwarz und braun.

Drei Jungfräulein im Grünen

Mit ihren Händen weiß,

Die spannen, zu verdienen

Sich einen Wette-Preis;

Und sangen hell im Grünen,

Die Vöglein sangen mit:

Ein Ritter kam zu ihnen,

Sein Roß im stolzen Schritt.

Ihr Jungfräulein im Grünen!

Er stieg von seinem Roß:

Gefiel es euch zu dienen

In meinem Ritterschloß?

Sollt Feierkleider haben

Mit Perlen und mit Gold,

Und meinen Edelknaben

Befehlen, was ihr wollt.

Braun Mägdlein da: Mit Nichten!

Uns ziemt nicht Perl und Stein;

Die trägt in Ehr und Züchten

Kein armes Jungfräulein.

Du schmähest meine Gaben?

Dein Häuslein fast zerfällt;

Dein Vater liegt begraben:

Wen hast du auf der Welt?

Braum Mägdlein etwas bitter,

Weil ihm sein Herzchen schlug:

"Wir brauchen keinen Ritter,

Und haben all genug."

O Schwester! sahst du funkeln

Sein Aug' in Rach und Zorn?

Und da begann's zu dunkeln,

Da bebt der Schleendorn.

Herab, wie Ungewitter,

Von seines Schlosses Wall,

Herab der freche Ritter

Mit seinen Knechten all.

"Ach Schwesterlein! verderben

Soll unser Ehr und Zier;

Viel lieber Todes sterben!

Zum Vater kommen wir."

Sie liefen, gleich den Winden,

Im dicken Wald umher;

Sie waren nicht zu finden,

Bis an das weite Meer;

Und saß nun und nimmer

Am Schleenbusch im Mai;

Jedoch im Mondesschimmer

Alsbald der Englein drei!

Die sangen. Und am Morgen

Drei Blümlein nie gekannt,

Im Grünen halb verborgen,

Und Jungfräulein genannt!