Heil'ge Nacht! du führest deine Globen

Wilhelm Sturm

Heil'ge Nacht! du führest deine Globen

Still und friedlich durch den Himmelsraum;

Wohnet Licht und Friede nur dort oben?

Ist hienieden alles Traum?

Traumgestalten gleich, dahingeschwunden

Sind, im wilden Kampfe des Gewühls,

Die erhabnen, großen Weihestunden

Unsers zartesten Gefühls.

Hat der edle Sieger welke Kränze,

Hat er Totenkränze nur gepflegt,

Die er, scheidend, an der öden Grenze

Dieses Lebens niederlegt?

Ruhe, dich! dich such' ich, holder Friede!

Suche dein Gestirn am Himmel auf;

Tief im Dunkel, tief verirrt und müde

Schließt dein Pilger seinen Lauf.