An eine Äolsharfe

Wolfgang Weller

Angelehnt an die Efeuwand

Dieser alten Terrasse,

Du, einer luftgebor'nen Muse

Geheimnisvolles Saitenspiel,

Fang' an,

Fange wieder an

Deine melodische Klage!

Ihr kommet, Winde, fern herüber,

Ach! von des Knaben,

Der mir so lieb war,

Frischgrünendem Hügel.

Und Frühlingsblüten unterwegs streifend,

Übersättigt mit Wohlgerüchen,

Wie süß, wie süß bedrängt ihr dies Herz!

Und säuselt her in die Saiten,

Angezogen von wohllautender Wehmut,

Wachsend im Zug meiner Sehnsucht,

Und hinsterbend wieder.

Aber auf einmal,

Wie der Wind heftiger herstößt,

Ein holder Schrei der Harfe

Wiederholt mir zu süßem Erschrecken

Meiner Seele plötzliche Regung,

Und hier, die volle Rose streut geschüttelt

All' ihre Blätter vor meine Füße!