Mainacht

A. Beer-Walbrunn

An deiner Seite so gerne

Durchträum' ich die Frühlingsnacht;

Treu halten die heiligen Sterne

Vor deinem Fenster die Wacht,

Indeß wir in Armen uns hangen,

In Seele die Seele versinkt

Und Mund von Mund in langen

Zügen den Athem trinkt.

Aus Wipfeln, drin Vögel brüten,

Wirft sanft der duftende Mai

Seine Knospen und Blüthen

Herab auf uns selige Zwei,

Und durch die Fensterbogen

Nachtwandelnd weht der Wind

Deine Locken in Wogen

Über mein Haupt gelind.

Wir zittern, wir erblassen

Vor Liebe, und Jedem quillt

Im wonnethränen-nassen

Auge des Andern Bild.

Ach! steigt schon im Osten der rothe

Schimmer des Morgens empor?

Nein, durch den Himmel lohte

Ein nächtliches Meteor.

Tausend Geheimnisse müssen

Wir noch einander vertrau'n,

Und tausend Küsse noch küssen,

Eh' der Morgen beginnt zu grau'n.

Was scheuchst du mit deinem Gesange,

O Schwalbe, so frühe die Nacht?

Schweig, schweig! und haltet noch lange

Ihr heiligen Sterne, die Wacht!