Beim Wein

A. Bortz

Der Lenzwind weht von Osten her

Und weht vorüber schnelle.

Im goldnen Krug der klare Wein

Rillt sich in feinem Gewelle.

Unzählbar schneien mehr und mehr

Herab viel zarte Blüten;

Ganz trunken sitzt das schöne Kind

Mit Wangen tief erglühten.

Am blauen Vordach, wie lange noch,

Blühn Pfirsich da und Pflaume,

O denk daran, wie kurze Frist

Gegönnt dem lichten Schaume.

Freunde, nun tanzet munter;

Bald geht die Sonne unter.

Wer bis zur Neige nicht

Die Lust genießt in jungen Jahren,

Der seufzt dereinst: Was soll es all'

In faden weißen Haaren?