Wenn ich in's Aug' dir schau'

A. Dorn

Wenn ich in's Aug' Dir schau',

So träum'risch und so blau,

Fühl' ich des Himmels Glück

In Deinem sel'gen Blick,

Ich bin so ganz erfüllt

Von Deinem theuren Bild.

Wenn durch der Locken Pracht,

So schwarz wie dunkle Nacht,

Des Mondes Silberlicht

Ganz leis verstohlen bricht,

Kann ich nicht satt mich seh'n,

Möcht ewig bei Dir steh'n.

Wenn Deiner Wangen Gluth

An meinen Lippen ruht,

Wenn heißer Küsse Zahl

Verlöscht des Sehnens Qual,

Find' ich nicht Wort, nicht Laut,

Das all' mein Glück vertraut.

Wenn Deines Busens Saum

Mich leis berühret kaum;

Wenn züchtig, keusch, und zart

Sich reinste Wonne paart,

Bin ich so ganz bestrickt,

Fast schon der Welt entrückt.

O bleibe immer mir

Mein Stolz, der Tugend Zier,

Vergiß in Angst und Leid

Nicht unsre Seligkeit;

Denk' an den heil'gen Schwur:

"Allein Dir leb' ich nur."