Mensch, hüte dich
A. Ellmenreich
Und blinkt noch so helle der goldene Wein
Im Glase, es lauert ein Schlänglein darein:
Mensch, hüte dich!
Es lauert versteckt auf dem duftigen Grund,
Und hebst du das Glas an den durstigen Mund,
Gleich, schlüpft es hinein.
Du haschest es nimmer, und bist doch kein Tropf --
Es ringelt vom Mund sich hinan in den Kopf.
Mensch, hüte dich!
Es windet durch's Hirn sich zum Schädel hinaus,
Und hängt dir am Schopfe, o Schrecken und Graus!
Als furchtbarer Zopf.
Und hast du den Zopf erst, dann habe gut Acht,
Dann steht auf der Kater schon gierig auf Wacht --
Mensch, hüte dich!
Und hast du dich sittsam zum Schlummer gestreckt,
Frech bei dir im Bett liegt der Kater und weckt
Dich, mitten zur Nacht.
Da hilfst dir kein Bitten, kein Flehen, kein Wort,
Er zerrt dich am Zopfe bald hier und bald dort,
Mensch, hüte dich!
Er rauft dich im Haare, er kratzt dich im Mund,
Er zwickt dich im Bauche, er krallt dich im Schlund --
Du jagst ihn nicht fort.
Der Zopf und der Kater gerathen in Wuth.
Es brummt dir der Schädel, es wallt dir das Blut,
Mensch, hüte dich!
Doch hast du durchstöhnt und durchwinkelt die Nacht,
Dann sei dir ein sauerer Harung gebracht --
Ein Harung thut gut!