Festina lente
A. Grosse-Weischede
Ich sang schon viel von Wanderlust
Heut sing' ich vom Verweilen.
Festina lente! sprach August,
Mit Weile sollst du eilen.
Beherz'ge wohl die weise Lehr',
Und ziehst du aus zu wandern,
So renne nicht wie Ahasver
Von einem Ort zum andern.
Und liegt an deiner Wanderbahn
Ein sogenanntes Gasthaus,
So halt die Schusterrappen an
Und strecke dich zur Rast aus.
Und trinke nicht in hast'gem Flug
Wie schnöde Uferschwalben;
Setz' dich bedächtig hin zum Krug,
Bleib' nicht bei einer Halben.
Und sind dir zweie nicht genung,
So trink' getrost die dritte,
Und ist die Schenkin hübsch und jung,
So fass' sie um die Mitte.
Ihr Mund ist roth und heiß ihr Blut
Und kühl der Trank der Traube;
Die Straße liegt in Sonnengluth,
Doch schattig ist die Laube.
Der Lichtglanz mälig sich verliert,
Ist schliesslich ganz verglommen --
Du hast dich nicht vom Fleck gerührt,
Und bist doch weit gekommen.