Träume
A. Gunkel
Das war die heisse glühende Zeit,
wir hatten die Welt vergessen,
und hatten des Lebens Innigkeit
nach unsrer Liebe bemessen.
Und unser wildes Seelenpaar
hat sich tief ineinander gerungen:
dann haben wir uns ins duftende Haar
purpurne Bänder geschlungen.
Und es war eine Stunde wie im Süd,
und ein Duft von gebrochenen Rosen.
Und die Welt war still, die Welt war müd,
und sie schlief unter Dornen und Rosen.
Und sie schlief. Doch wir beide hielten Wacht
auf hohen, herrlichen Thronen,
und fühlten auf unserm Haupte die Pracht
leuchtender Königskronen.