Lebe wohl, mein Ayr!
A. Jensen
Die finstre Nacht bricht schnell herein,
Der Sturmwind heult; mit Regen dräu'n
Die trüben Wolken; schwärzlich stehn
Sie über diesen nackten Höhn.
Der Jäger wandert heim vom Moor,
Das Rebhuhn duckt sich unters Rohr,
Und ich, das Herz von Sorgen schwer,
Geh' einsam hier entlang den Ayr.
Der Herbst beweint sein reifend Korn,
So früh schon von des Winters Zorn
Zerstört; am Abendhimmel sieht
Den Sturm er, wie er murrend flieht.
Kalt wird in meiner Brust das Blut,
Gedenk' ich der bewegten Flut,
Und daß ich ziehn muß über Meer,
Weit, weit von deinen Ufern, Ayr!
'S ist nicht die Brandung, die das Land
Wild zürnend schlägt; nicht dieser Strand,
Mit Trümmern manches Wracks bedeckt;
Der kalte Sturmwind nicht - was schreckt
Den Sohn des Elends? - aber trägt
Mein wundes Herz nicht Fesseln? schlägt
Es krampfhaft nicht, und blutet sehr,
Da es sie bricht, dich meidend, Ayr?
Lebt wohl, ihr Schluchten und ihr Seen,
Ihr haidekrautbewachs'nen Höhn!
Du grünes Thal, du stiller Pfad,
Die meiner Liebe Schmerz ihr saht! -
Freund! - Feind! - lebt wohl! Ich segn' euch gleich.
Meine Lieb', mein Friede sei mit euch!
O, dieser Thränensturz sagt mehr,
Als Worte! - Lebe wohl, mein Ayr!