Lied der Desdemona

A. Jensen

An einem Baum, am Weidenbaum saß sie

Gedrückt die Hand zum Herzen, schwer vom Leide,

Gesenkt das Haupt, auf ewig fern der Freude,

So weinte sie, so sang sie spät und früh:

Singt alle Weide!

Singt meine süße, liebe, grüne Weide,

Liebe, grüne Weide!

Der helle Strom, er fühlet mit ihr Ach!

Er rauschet sanft zu ihren Klagetönen,

Der Fels in ihm erweicht von ihren Thränen,

Hallt traurig den gebrochnen Seufzer nach.

Singt alle Weide!

Singt meine süße, liebe, grüne Weide,

Liebe, grüne Weide!

Du hangend Laub, geliebte Weide du,

Was neigst du dich herab zu meinem Leide?

Mir Kranz zu sein in meinem Leichenkleide!

Hier schwur er mir; hier find' ich meine Ruh.

Singt alle Weide!

Singt meine süße, liebe, grüne Weide,

Liebe, grüne Weide!

Er schwur mir Treu. Treuloser, lebe wohl!

Ich flehte dir: soll ohne dich ich leben?

»Du kannst dein Herz ja einem andern geben.«

So spracht du mir. Leb' wohl, leb' ewig wohl!

Singt alle Weide!

Singt meine süße, liebe, grüne Weide,

Liebe, grüne Weide!