Es wohnt' am Seegestade
Lortzing, Albert
Kühleborn:
Es wohnt' am Seegestade
ein armes Fischerpaar,
der Eltern höchste Freude
ein holdes Mägdlein war.
Am grünen Uferrande
mit ihm die Mutter ruht,
da plötzlich sank das Mägdlein
hinunter in die Flut.
Doch rettend naht ein Engel,
und tragt es an das Land,
wo bald ein edler Herzog
das Mägdlein schlafend fand.
O armes Kind, noch zart und klein,
was wird dein einstig Schicksal sein?
Als Herzogtochter ehrt man
die Jungfrau weit und breit.
Doch ihre Tugend führet
nur Hochmut im Geleit.
Von Glanz und Hoheit träumend,
von Zepter nur und Kron' -
in Wahrheit sich ihr zeiget
alsbald ein Königsthron.
Doch plötzlich reißt der Schleier,
und alles wird bekannt,
daß sie ein Fischermädchen
und nur aus niedrem Stand.