Eine Nacht auf Kamtschatka
A. Marx
Der Nebel feuchtet die eisge Luft,
Es stürzt die Krähe zur Felsenkluft.
Wer ist der nächtige Wandrer dort,
Der suchend schreitet von Ort zu Ort? --
Herein bricht schreckend die schwarze Nacht,
Kein Stern erglänzet, kein Auge wacht;
Ich seh den einsamen Wandrer nur,
Das Schneelicht hemmt ihm des Pfades Spur.
"'S ist doch recht öde im Fichtenwald,
Ich wollt' ich fände die Hütte bald,
Ich wollt', ich blickt' in ihr Auge klar,
Dann fragt' ich nicht nach der Sterne Schaar."
Er hüllt sich ein in den Mantel dicht,
Er achtet Nebel und Stürme nicht,
Er schreitet über das Feld von Eis,
Er gleitet nieder vom Hügel weiß.
"Muth nur! Schon ist mir die Hütte nah;
Dort ragt die Birke, bald bin ich da!"
Und über den Graben mit frischem Muth
Hebt leicht ihn hinüber der Liebe Gluth.
Und unter der Thüre, da steht er still;
Er harrt, ob keiner ihm öffnen will;
Er harrt und harret; es bebt sein Herz;
Es zuckt im Busen der dumpfe Schmerz --:
"Erglänzt dein Licht
Mir nicht?
Gingst du zur Ruh
So bald,
Holdselige Gestalt? --
Die feuchte Luft
Voll Duft,
Kein Stern von fern
Zu schaun --
O düstres Nebelgraun!
Auf kaltem Stein
Allein,
Hier harr' ich starr,
Vom Ost
Umweht beim Winterfrost."
Die Krähe krächzt auf dem Birkenzweig,
Der Reif fällt eisig nieder,
Der müde Wandrer sitzt starr und bleich;
Kein Laut entschlüpft ihm wieder.