Ein arger Poltergeist durchspükte
A. Schweitzer
Ein arger Poltergeist durchspückte
Ein altes Haus.
Um ihn nun zu verbannen, schickte
Man Zaub'rer aus.
"Ach!" sprach der Geist: "ich baute Schlösser
Auf Weibertreu:
Doch meine Frau verstand es besser,
Und lebte frei!
"Ist nun ein Weib, die ihrem Bunde
Getreu blieb, hier:
So schickt sie um die zwölfte Stunde
Der Nacht, zu mir.
Ich will ihr große Schätze geben;
Doch blieb sies nicht:
So räch' ich auch, an ihrem Leben,
Der Weiber Pflicht!"
Ein jeder Ehmann sprang für Freude,
Dreimal empor:
Und schlug sein eignes Weib, zum Neide
Des andern, vor.
Man stritt sich lange hin und wieder,
Mit großem Zank;
Dieß schlug den Weibern in die Glieder,
Sie wurden krank.
Allein ein Mann hüllt sich geschwinde
Die Augen ein:
"Versteckt euch!" sprach er: "die ich finde,
Die muß es sein!"
Den guten Bannern der Gespenter
Ward ziemlich warm.
Der Mann ging aus -- Durch Thür und Fenster
Zerstübt der Schwarm!
Sein eignes Weibchen, das mit Drängen
Man überrascht,
Blieb an dem Fensterstocke hängen,
Und ward erhascht.
Erst kurze viehrzehn Tage hatte
Sie ihren Mann.
Doch einmal haschte sie der Gatte --
Sie mußte dran.
Man führt sie kühn bis zu der Stelle.
Hier bleibt sie stehn;
Und will, um Himmel und um Hölle,
Nicht weiter gehn.
Man mag es wie man will versuchen,
Sie geht nicht fort.
Der Ehmann schimpft, die Vettern fluchen --
Sie geht nicht fort.
Die Männer fangen an zu weinen.
Für Wehmuth stumm,
Kehrt jeder, zu den lieben Seinen,
Geduldig um.
Der arge Poltergeist bewachte
Sein Haus in Ruh.
Der Enkel hört' es, und erdachte
Die blinde Kuh.