Ich war ein Kind und träumte viel
A. Voormolen
Ich war ein Kind und träumte viel
und hatte noch nicht Mai:
da trug ein Mann sein Saitenspiel
an unserm Hof vorbei.
Da hab ich bange aufgeschaut:
"O Mutter lass mich frei..."
Bei seiner Laute erstem Laut
brach etwas mir entzwei.
Ich wusste, eh sein Sang begann:
Es wird mein Leben sein.
Sing nicht, sing nicht, du fremder Mann:
Es wird mein Leben sein.
Du singst mein Glück und meine Müh'
mein Lied singst du und dann:
mein Schicksal singst du viel zu früh,
so daß ich, wie ich blüh und blüh, --
es nie mehr leben kann.
Er sang. Und dann verklang sein Schritt, --
er musste weiterziehn;
und sang mein Leid, das ich nie litt,
und sang mein Glück, das mir entglitt
und nahm mich mit, und nahm mich mit, --
und keiner weiss wohin...