Des Mädchens Wahl

A. Winterberger

Ach! wie schlief ich sonst so gut

Bis zum hellen Morgen!

Doch nun quält das junge Blut

Sich mit Liebessorgen.

Welchen Mann? -- so frag' ich immer --

Ob ein guter oder schlimmer?

Mutter! leihe mir dein Ohr,

Schlag' mir einen Gatten vor!

Nimm den Jäger, liebes Kind!

Und du bist am Ziele. --

Mutter, nein! ich wär' ja blind,

Wenn mir

der

gefiele.

Muß er nicht auf Bergen klettern?

Kann ihn nicht ein Fels zerschmettern?

Schließe, Mutter, ihm das Thor;

Schlag' mir einen Andern vor!

Nimm den Schäfer, Töchterlein!

Schäfer bringt dir Schafe. --

Mutterchen! da sag' ich nein,

Wähl' ihn nicht im Schlafe.

Schäfer weidet in Gebirgen,

Kann ein böser Wolf ihn würgen.

Nein! auch ihm verschließ das Thor,

Schlag' mir einen Andern vor!

Nun so nimm den Handelsmann!

Wird dir wohl behagen. --

Die alleine leben kann,

Mag es mit ihm wagen.

Handelsleute gehn auf Reisen,

Können sich nicht treu beweisen.

Schließe, Mutter, ihm das Thor,

Schlag' mir einen Andern vor!

Liebes Kind, den Schneider nimm!

Schneider machen Kleider. --

Mutterchen, sey nicht so schlimm,

Gieb mir nicht den Schneider!

Möglich, daß er ohne Tadel;

Doch ich hasse Scheer' und Nadel.

Darum schließ' auch ihm das Thor,

Einen Andern schlage vor!

Nun so nimm den Bauer, Kind!

Den bescheidnen Knaben. --

Ey, wenn

der

mich liebgewinnt,

Dieser soll mich haben.

Sind auch schwarz des Bauern Hände,

Weißbrod ißt er bis an's Ende;

Führ' ihn, Mutter, nur in's Haus,

Ordne schnell den Hochzeitschmaus!