Die Sommergeister

A. Mendelssohn

Sommers laufen in Mittagsglut

Ohne die Sohlen zu ritzen,

Luftige Geister ohne Blut

Über der Ähren Spitzen.

Wenn die Erde recht dürr und heiß,

Werden sie erst lebendig;

Wenn der Himmel vor Hitze weiß,

Spielen sie fort beständig.

Jedes Wölkchen die Kinder verscheucht,

Daß sie sich eilig verschlupfen;

Wenn ihnen würden die Füßchen feucht,

Stürben sie hin am Schnupfen.

Leicht gekleidet im güldenen Hemd,

Glänzen die weißen Gliedchen;

In silberner Sprache, seltsam und fremd,

Singen sie köstliche Liedchen.

Doch wenn die Sichel mit drohenden Schall

Schwingen gebräunte Hände,

Dann hat der glänzende Kinderball,

Das Spiel des Sommers ein Ende.

Fröstelnd in Höhlen kauern sie

Sich jetzt im Herbste zusammen;

Sehnend und weinend betrauern sie

Des Sommers liebliche Flammen.