Einstige Sehnsucht liegt nun tot und kalt

B. Blacher

Einstige Sehnsucht liegt nun tot und kalt,

Und junge Neigung tritt das Erbe an:

Die Schöne, der sein krankes Seufzen galt,

Mit Julia verglichen, ist ein Wahn.

Geliebt ist Romeo jetzt und liebt entgegen,

Gefangen beide in der Blicke Maschen;

Der Feindin muß er sich zu Füßen legen,

Sie muß von spitzer Angel Liebe naschen.

Als Feind betrachtet, darf er nicht zu ihr,

Darf nicht, wie andre thun, ihr Liebe schwören;

[Noch weniger darf sie der Herzbegier

Nachgeben und ihn sehen und erhören.

Doch Blut ist stark, und die gefäll'ge Zeit

Mischt in ihr Unglück höchste Seligkeit.]