Das Zirkuspferdchen

B. Blacher

Es trabt im Kreis durch die Manage,

den Kopf mit Federn bunt geschmückt,

und zu den Klängen einer Polka

das Pferdchen mit dem Kopfe nickt.

Ein Herr im Frack hält um die Peitsche

die weiße Glacéfaust geballt,

und mit dem Pferdchen stumm zu drehend

er mit der Peitsche leise knallt.

Das Pferdchen wechselt Schritt und Gänge

langsam und schnell nach der Musik.

Ob frohe oder traurige Weisen,

es nickt gehorsam sein Genick,

als wollt es "Ja" zu allem sagen,

da es auf die Kandare beißt,

die, wenn den Kopf es möchte heben,

das Maul ihm wund und blutig reißt.

Und während es im Kreise tänzelt,

da möchte es mit wildem Huf,

den Kopf hoch in die Luft geworfen

losrennen, wie Natur es schuf.

Es möchte jagen durch die Steppe

im frischen Wind in freien Lauf,

es möchte sich die Lungen füllen

mit vollem, duftigen Geschnauf.

Es möchte Sonn' und Sterne sehen,

des Himmels blauen Überfluß,

es möchte mit den freien Brüdern

tauschen der Nüstern Liebesgruß.

Doch wieder knallt die lange Peitsche

des schwarzen Herrn mit scharfem Schnick,

und wieder dreht das Pferdschen leise

sich nach dem Takte der Musik.

Fanfarentusch! Und das Orchester

brüllt jetzt Triumphes Melodie.

Das Pferdchen macht Honeurs und beuget

rings vor dem Publikum das Knie.

Das Publikum im Zirkuskreise,

es klatscht begeisterten Applaus,

der schwarze Herr gibt ein Stück Zucker

dem Pferdchen und jagt es hinaus.

Dort denkt es vor der dunklen Krippe:

Wie glücklich doch die Menschen sind,

sie dreh'n sich nicht ewig im Kreise

und träumen nicht vom Steppenwind.