Waldnacht - Gedicht eines Schwabinger Symbolisten

B. Hummel

Der Wald -! Die Nacht -! Glühwürmer staunen;

Ein ferner Vogel geigt auf einer Flöte.

Die Äste knarren - - - Sagen raunen,

Indes ich vor dem Geist der Nacht erröte.

Ein ungeheures Weh schluchzt in den Tiefen,

Ein ungeheures Lachen gellt herüber - -

Ich geb' dem Monde einen Nasenstüber

Und denke derer, die im Schatten schliefen.

Ein gelber Schmerz mit silbergrünen Rändern

Schrillt mir durchs Herz wie eine stumpfe Säge...

Der Weltgeist brütet auf den schwarzen Ländern;

Mein Busen zittert und mein Schlips sitzt schräge.

O namenlose Wonne, so zu stehen

Im wehen Mond und solche Qual zu leiden!

Mit blindem Blick ins Herz der Nacht zu sehen!!

Und stumm zu herrschen über violette Weiten!!!