Beim Becher
C. Banck
Als ich zum Trinken mich gesetzt,
ließ sie sich bei mir nieder;
da hab' ich weidlich mich geletzt,
ich sah und sah sie wieder.
Und Zug auf Zug nun trank ich leer
die vollen hellen Becher;
mein Herz ward leicht, mein Kopf ward schwer,
wie jedem guten Zecher!
Ich trank - es trinkt so nicht das Meer
hinab die tausend Flüsse!
Den Durst, ach, löschten nimmermehr
die wilden, raschen Güsse.
Sie zog den Becher mir vom Mund
und sah mich an und lachte,
wie weit ich es in kurzer Stund'
ihr gegenüber brachte.
Und Zug auf Zug, und Glas auf Glas
ließ ich hinunter fließen,
und durstet' doch ohn' Unterlass,
und konnt' nichts recht genießen.
Da reicht' sie mir die Lippen weich
zu einem süßen Kusse,
und aller Durst verschwnd sogleich
im seligsten Genusse!