Rezitativ und Arie mit Chor: O Himmel, welch' Entzücken!

Beethoven, Ludwig van

VIENNA

O Himmel, welch' Entzücken!

Welch' Schauspiel zeigt sich meinen Blicken!

Was nur die Erde hoch und hehres hat,

in meinen Mauern hat es sich versammelt!

Der Busen pocht! Die Zunge stammelt!

Europa bin ich - nicht mehr eine Stadt.

Der Heros

der den Fuss aufstellet auf den Wolkenschemel,

den alten Kaukasus und von dem Eismeer bis zur Memel

ausbreitet seine Segenshand.

Der Herrscher

an der Spree Strand,

der, als sein Land verloren,

sein Reich geboren.

Der König

, der am fernen Belt

das Vaterhaus und Scepter hält.

Der Wittelsbacher

, dessen Land und Schild

ein Bild der Kraft sind und der Güte.

Und der Gekrönte

auch, der mit der Kraft

der Babenberger

wirkt und schafft

in Deutschlands Paradiese!

Alle die Herrscher darf ich grüssen,

alle die Völker freundlich küssen!

CHOR

Heil, Vienna, dir und Glück!

Stolze Roma, trete zurück!

VIENNA

Und das höchste seh ich gescheh'n

und mein Volk wird Zeuge steh'n,

wenn ein gesprengter Welttheil wieder

sich zum Ringe füget und schliesst,

und zum Bunde friedlicher Brüder

sich die gelöste Menschheit küsst!

CHOR

Welt! dein glorreicher Augenblick!

VIENNA

Und nach meines Kaisers Rechten

greifen die Herrscherhände all,

einen ewigen Ring zu flechten.

Und auf meinem gesprengten Wall

baut sich Europa wieder auf.

CHOR

Heil, Vienna, dir und Glück!

Fei're den glorreichen Augenblick!

Stolze Roma, trete zurück!