Die Seele des Weines

Berg, Alban

Des weines geist begann im fass zu singen:

Mensch - teurer ausgestossener - dir soll

Durch meinen engen kerker durch erklingen

Ein lied von licht und bruderliebe voll.

Ich weiss: am sengendheissen bergeshange

Bei schweiss und mühe nur gedeih ich recht

Da meine seele ich nur so empfange

Doch bin ich niemals undankbar und schlecht.

Und dies bereitet mir die grösste labe

Wenn eines arbeit-matten mund mich hält

Sein heisser schlund wird mir zum kühlen grabe

Das mehr als kalte keller mir gefällt.

Hörst du den sonntagsang aus frohem schwarme?

Nun kehrt die hoffnung prickelnd in mich ein:

Du stülpst die ärmel - stützest beide arme

Du wirst mich preisen und zufrieden sein.

Ich mache deines weibes augen heiter

Und deinem sohne leih ich frische kraft

Ich bin für diesen zarten lebensstreiter

Das öl das fechtern die gewandheit schafft.

Und du erhältst von diesem pflanzenseime

Den Gott - der ewige sämann - niedergiesst

Damit in deiner brust die dichtkunst keime

Die wie ein seltner baum zum himmel spriesst.