Ich bin der Vogt von Tenneberg und auch von Waldrathhausen

C. Attenhofer

Ich bin der Vogt von Tenneberg

Und auch von Waldrathausen

Und pfleg' im Lindenwipfelwerk

Als wilder Falk zu hausen.

Was ficht der Tuck der Welt mich an

samt allen Teufelslisten,

Kann ich, ein frühlingsseliger Mann,

In reinen Höhen nisten!

O honigschweres Blütenhaus!

O wunderwürzige Räume!

Die Biene nur summt ein und aus,

sie summt mich sanft in Träume.

Jüngst aber kam vor meinen Thron

Ein fremder Knab' geflogen,

Kupido, Frauen Venus Sohn,

Mit Köcher, Pfeil und Bogen.

Er rief: „Ich geh' dich kampflich an,

Hagstolzer Tennebergaere,

Dieweil du dich so hochgethan

Und weigerst mir die Ehre!“

Er schoß mit Pfeilen, schwirrt' und pfiff,

Als müss' ihm Sieg gelingen,

Da that ich einen festen Griff

Und packt' ihn an den Schwingen.

Zur Stund' zerging des Unholds Freud',

Ich hielt ihn am Gefieder,

Ich hab' ihn weidlich durchgebläut,

Er kommt mir nimmer wieder!