Luftschloss

C. Bohm

Mein Liebchen, ich hab' mir ein Schlösslein gebaut,

Drin wollen wir hausen zu zwei'n.

So luftig und lustig ward keins noch geschaut

An Tiber und Donau und Rhein.

Krystall sind die Wände, das Dach ist Rubin,

Von Golde gebaut ist der Saal.

Ein Tischelein Deckdich steht mitten darin

Und lädt uns zum fröhlichen Mahl.

Es springen zwei Bronnen aus Marmelgestein,

Die rauschen uns frühe und spat.

Es giebt uns der eine Burgunderwein,

Der andere sprudelt Muskat.

Es stehen die Truhen mit edlem Geschmeid

In allen Gemächern umher,

Und wolltest du schöpfen in Ewigkeit,

Sie würden doch nimmermehr leer.

Und rings um das Schlösslein ein grünender Hag

Mit Blumen von seltsamer Pracht.

Sie duften wie fremdes Gewürze bei Tag

Und leuchten wie Sterne bei Nacht.

Es weht in den Lüften wie Harfenschall

Und lockender Vogelein Ruf.

Zwölf muthige Rösslein wiehern im Stall

Und scharren mit goldenem Huf.

Das ist mein Schlösslein. Ich hab' es gemacht,

Wie der Sänger sich macht ein Gedicht.

Im Traume hab' ich mir's ausgedacht

Und träumend zusammengericht't.

Es schimmert und blinkt aus der Höhe herab

Sein luftiges Wundergestein,

Und wenn ich das Fliegen erfunden noch hab',

Mein Liebchen, dann ziehen wir ein.