Ob der Reigen noch um die Linde geht?
C. Faisst
Ob der Reigen noch um die Linde geht
in meiner Heimat fern?
Des Zimbels tieftonig Gebrumm,
der Geigen schluchzendes „Warum?”,
ich hört' es gar so gern!
In weißen Blüten stand der Baum,
gekleidet wie in Schnee.
Und unten wandelte im Schritt
der Reigen, und der Mond ging mit,
so hell, dass ich's noch seh'.
Doch schleichen in das Dunkel sich
Gestalten wie im Traum:
Von Stimmen klingt es süß und leis',
und Kleider flattern blütenweiß
und keusch bis an den Saum.
Ob der Reigen noch um die Linde geht?
Dann leg' ich wohl vors Aug' die Hand
und sinn' das Herz mir wund;
mein Leben, ach, für eine Stund'
in jenem Zauberland.