Du bist so groß

C. Garbe

Du bist so groß, dass ich schon nicht mehr bin,

wenn ich mich nur in deine Nähe stelle.

Du bist so dunkel; meine kleine Helle

an deinem Saum hat keinen Sinn.

Dein Wille geht wie eine Welle

und jeder Tag ertrinkt darin.

Nur meine Sehnsucht ragt dir bis ans Kinn

und steht vor dir wie aller Engel größter:

ein fremder, bleicher und noch unerlöster,

und hält dir seine Flügel hin.

Er will nicht mehr den uferlosen Flug,

an dem die Monde blass vorüberschwammen,

und von den Welten weiß er längst genug.

Mit seinen Flügeln will er wie mit Flammen

vor deinem schattigen Gesichte stehn

und will bei ihrem weißen Scheine sehn,

ob deine grauen Brauen ihn verdammen.