Lied zur Einsaat
C. Hausius
Pflüger, laßt den Pflug jetzt ruh'n,
Löst dem Stier die Hörner!
Wackrer Sämann, bringe nun
Deine goldnen Körner!
Schreit' in Gottes Namen an!
Alles Ding ist wohlgethan
In des Herren Namen.
Die du Frucht zur Nahrung trägst,
Blumen zum Vergnügen,
Laß am Herzen dir zu nächst
Diese Körnlein liegen!
Säuge sie mit deinem Saft,
Stärke sie mit deiner Kraft,
Laß sie nicht verkümmern!
Weck', o Sonne, mild und gut,
Alle Keime streben;
Brüte sie mit sanfter Glut,
In das junge Leben!
Wäss're, Regen, netze, Thau,
Mildbefeuchtend diese Au,
Daß sie nicht verschmachte.
Brecht dann, Keimchen, brecht hervor,
Grün die Flur zu schmücken,
Unsre Hoffnung tritt in Flor,
Wenn wir euch erblicken.
Und zum Himmel beten wir,
Daß kein Sturm, kein böses Thier,
Unsre Lust verderbe.
Unsre Lust es anzusehn,
Wie die jungen Ähren
Stolz auf schlanken Halmen stehn
Dichtgedrängt in Heeren;
Wie sie säuseln hin und her,
Und die vollen Häupter schwer
Bis zur Erde neigen.
In der frohen Erntezeit
Tragen Weib und Kleinen
Munterspringend das Getraid
In die leeren Scheunen;
Und sobald die Arbeit ruht,
Springen wir mit frohem Muth
An dem Stoppelfeste.
Thier und Menschen sind erfreut,
Baur und Bürger lachen,
Wann die Ernte gut gedeiht
Und die Speicher krachen.
Selbst der Vogel in der Luft
Den die goldne Garbe ruft,
Zwitschert um so froher.
Weib und Kind hat keine Noth,
Wann der Krug mit Kränzen,
Und ein Korb mit frischem Brod
Auf dem Tische glänzen,
Gast und Wandrer laben wir;
Keinen Armen jagen wir
Mit: Helf Gott! Geht weiter!