Wechselgesang
C. Kreutzer
Sie:
Du, den meine Seele liebt, o sage,
sag', in welchen Rosen weidest du?
Unter welchem Nachtigallenschlage
deckt die Zeder deine Mittagsruh'?
Sage mir, wo duften dich die Myrten
und die Lilien und die Rosen an?
Sage mir es, dass ich bei den Hirten
nicht vergebens irre, süßer Mann!
Er:
Fehlt dir Kunde, lieblichste der Frauen?
So geleite, holde Schäferin,
deine Lämmer hin nach jenen Auen,
weide nach den Hirtenhäusern hin!
Tritt hervor und wecke das Entzücken!
Alles, was der Schönheit Strahlen leiht,
soll dich, königliches Mädchen, schmücken,
schmücken soll dich jede Herrlichkeit.
Sie:
Schauet meinen Freund! Ihr könnt nicht irren,
hoch und herrlich wandelt er einher,
lieblich wie mein Busenstrauß von Myrten,
kräftig mild wie Traubensaft ist er.
Er:
Meine Freundin, durch sich selbst geschmücket,
ragt vor allen Weibern hoch empor!
Seht, aus ihren Taubenaugen blicket
ihre schöne Unschuldseel' hervor!
Sie:
Schön ist er, und Lieb' und Lenz bereiten
uns ein grünes, duftendes Gemach.
Er:
Schön ist sie, um uns're Traulichkeiten
schwebt ein Zedern- und Zypressendach.