Nemt, frouwe, disen kranz

C. Sinding

Auf Scharfenberg in Sommersglanz

las ich in unser'm Ehepsalter

dem lieben Vogelweiden-Walther:

Nemt, frouwe, disen kranz.

Und wie ich's las, ersah ich dich

im Ridewanz mailobelich

die leichten Füße heben.

Ich aber, als ein Ritter zier,

Bracht' eine Blumenkrone, dir

sie auf das Haupt zu geben.

Und sieh, dein Haupt hast du gesenkt;

ich hab' die Krone dir geschenkt

und deine Hand genommen.

Dann schwangen wir uns beide frei

im Hoppaldei und Troialdei,

bis dass die Nacht gekommen.

Von Walthers Gnaden war's ein Traum,

in bunte Zeit ein Purzelbaum

aus unser'm höchst gediegenen Grau.

Fast bang' ich, die gestrengen Herr'n

Stirnrunzeln böse mir: Modern!

Indes, was träumt man nicht, träumt man von seiner Frau!

Nicht wahr?

Aber sonderbar:

Der Traum von Scharfenberg ließ mich auch wach nicht frei.

Mir war's, als ob ich dir aus ihm was schuldig sei,

und immer wieder klang in mir wie Singetanz

das schöne Walther-Wort: Nemt, frouwe, disen kranz.

Und so hat sich's gefügt, dass ich zusammenschloss,

was mir in deiner Hut aus meinem Garten spross;

manch' Unkrautpflänzlein auch, das früher mir gedieh

in wilder Blumenzucht; nimm auch in Hulden sie!