Indess deine Mutter dich stillt

C. von Franckenstein

Indes deine mutter dich stillt

Soll eine leidige fee

Von schatten singen und tod ·

Sie gibt dir als patengeschenk

Augen so trüb und sonder

In die sich die musen versenken.

Verächtlich wirst du blicken

Auf roher spiele gebaren ·

Vor arbeit die niedrig macht

Die grossen strengen gedanken

Dich mahnen und wahren.

Wenn deine brüder klagen

Und sagen: o schmerz! den deinen

Sag ihn den winden bei nacht

Und unter der nägel waffe

Blute die kindliche brust!

Vergiss es nicht: du musst

Deine frische Jugend töten ·

Auf ihrem grab allein

Wenn viele tränen es begiessen - spriessen

Unter dem einzig wunderbaren grün

Die einzigen schönen rosen.

Ihr lernt: das haus des mangels nur kenne die Schwermut ·

- Nun seht im prunke der säulen die herbere Schwermut -

Der stets nach dem ziel sich verzehre nur fühle das Schicksal

Ich zeige euch in der erfüllung das grausamste Schicksal

Des der die stunden vertrauert bei köstlichem kleinod ·

Der schmächtigen fingers spielt mit dem sprühenden kleinod ·

Und des der angetan mit der könige purpur

Das schwere bleiche antlitz senkt auf den purpur.

Wo in des Schlosses dröhnend dunkler diele

Hängen und rauschen viele Saitenspiele

Von einer tiefern lust und grössern tat:

Wie kommt es dass dies erste früh und spat

Noch füllet mit dem gleichen freudengraun

Und dass sein keusch anfängliches geraun

Wenn es bei noch so leisem rühren klingt

Wie einst noch immer mich zum weinen zwingt?

Bei seiner reise mittag bald zurück

Bald vor sich zum gewölke bangen fragens

Hat lange sich der rastende gedreht..

Durchwallt ist ganzer erden berg und tal

Soviel an glück und tränen hinter ihm.

Was kann noch sein? Soll er das haupt hier betten

Als an des weges marken oder soll er

In hellem höhen lauter noch frohlocken ·

In wildern Schluchten tiefer noch erstöhnen..

So war dies alles erst der morgengang?