Verzückung

D. Ammende

Biegt sich in berauschter Nacht

Mir entgegen Wald und Ferne,

Atm ich Blau und kühle Sterne

Und der Träume wunde Pracht,

O dann liegt die trunkne Welt

Wie ein Weib an meinem Herzen,

Lodert in verzückten Schmerzen,

Deren Schrei betörend gellt.

Und aus fernsten Tiefen her

Tiergestöhn und Flügelschlagen,

Nachklang aus verschollnen Tagen

Grüner Jugendzeit am Meer,

Opferschrei und Menschenblut,

Feuertod und Klosterzelle,

Alles meines Blutes Welle,

Alles heilig, alles gut!

Nichts ist außen, nichts ist innen,

Nichts ist unten, nichts ist oben,

Alles Feste will zerinnen,

Alle Grenzen sind zerstoben.

Sterne gehn in meiner Brust,

Seufzer gehn am Himmel unter,

Jedes Lebens Herz und Lust

Brennt entzückter, flackert bunter,

Jeder Rausch ist mir willkommen,

Offen steh ich jeder Pein,

Ströme betend, hingenommen

Mit ins Herz der Welt hinein.