Orpheus

D. Kuhlau

Orpheus, als du mit Tränen

deine Geliebte sangest,

rief wehklagend mit dir der Nachhall

neunmal: Eurydike!

Dies Wort durchlief die Täler,

der West trug's ächzend weiter;

Felsen und Höhlen klagten

dir nach: Eurydike!

Könnt' ich wie Orpheus singen,

Laura, und ach! dich risse,

wie am Hebrus, die Todesparze

grausam aus meinem Arm:

Doch könnt' ich nicht dem Nachhall

den Namen Laura singen,

nein, die betränten Saiten

erklängen nicht von dir.

Sterben, Geliebte, würd' ich,

sterben vor Kummer, Laura!

Aus dem verhassten Körper

würd' ich vor Schmerz entflieh'n.

Hielt' aber eine Gottheit

gebiet'risch mich zurücke,

schweigend und ernst durchtrau'rt ich

die lange Mitternacht.

Welket, verfall'ne Wangen,

müde gerung'ne Hände;

wehe des langen Lebens,

Laura, so würd' ich alt.

Wenn dann die Hand der Parze

mich von der Qual befreite,

würd' ich, in einen Seufzer

verhaucht, zur Nachtigall.

Ihr, die ihr dann im Lenze

Schatten der Haine suchet,

die ihr mit euren Lieben

fröhlich den Hain durchstreift,

wenn unter Nachtigallen

ihr eine hört, die bänger

schluchzend ihr Weh verlängert:

Dann, Freunde, hört ihr mich.