Der überzeugte Liebende

D. Müller

Holde Ruhe, süßer Frieden

Sind dem Liebenden beschieden,

Welcher fühlet sich geliebt,

Immer seine Wonnen neue,

Endlos, wie des Aethers Bläue,

Die den Himmel still umgibt.

Fern von ihr die Zeit nicht ziehet,

Pfeilschnell aber sie entfliehet,

Stunde wird zum Augenblick

In der Nähe der Erkornen,

Der allein für ihn Gebornen

Durch ein gütiges Geschick.

Und geendiget das Wähnen,

Und gestillet ist das Sehnen,

Dem Vergänglichen entrückt,

Kennt nicht Wünsche mehr noch Sorgen,

Gleich dem Heut ist ihm das Morgen,

Jedes liebevoll beglückt.

O! ich bin's in deiner Nähe,

Selig ganz, wenn ich dich sehe,

Weile in dem Himmel schon,

Alles andre ist verschwunden,

Dich, dich! habe ich gefunden

Lieb' ist's Höchste, nicht der Thron.