Das Weisenkind
Dvořák, Antonín
Wess' ist das Kindlein, das so einsam schreitet,
wenn fern vom Norden weht so kalt der Wind?
Wenn auf dem Feld die Nacht ihre Flügel breitet?
Was sucht am Grabe hier das verwaiste Kind?
Liebes Mütterlein, dich will ich heut sehen,
ich bin verlassen, sehne mich nach dir!
Hör' mein brünstig flehn dort im kühlen Grabe
ach eine and're Mutter gabst du mir?
Fremd ist die Mutter, flückt mir jede Stunde,
und aus dem Hause jagt sie mich in Sturm und Wind.
Und mein Vater hört nicht diese Klagen
ach mein Mütterlein komm zu deinem Kind!
Thränen und Perlen weinte das Töchterlein,
und seine Augen drückte Leid und Weh'
es neigte sich hin, wo seine Mutter schlief
das weisse Lager deckt der weiche Schnee!
Und einen süssen Traum schlief das arme Kind
bei dem Mütterlein glaubt es nun zu sein!
Lieblich ertönt die Stimme aus dem Grab:
Komm' komm' an mein Herz, mein Kind, ewig bist du mein!
Da schlief es ein und ruhte aus ungestört
Der Morgenschein erweckt' es nimmermehr;
ein weiches Grab ihm wurde da gewährt
wo es im Leben klagend seufzte schwer.