Das fragt sich noch sehr

E. Hartmann

Der Abend war so wunderschön,

Da gingen beide wir durch's Feld;

Die Sonne wollte untergehn,

Und schien noch freundlich in die Welt;

Die Vögel sangen im Gesträuch,

Im Korn und in der blauen Luft;

Die Blumen blühten voll und reich,

Und um uns her war lauter Duft.

Mir war gar feierlich zu Mut,

Und doch dabei ohnmaßen froh;

Ich war der ganzen Welt so gut,

Gott weiß, mir war noch niemals so.

Da sprachen wir denn allerlei,

Wovon, das weiß ich selbst nicht mehr,

Und er auch war so gut dabei

Und ging so stille nebenher.

Doch als ich einmal mich gewandt,

Ich weiß nicht mehr, aus welchem Grund,

Da drückt' er plötzlich meine Hand,

Und küßt' mich leise auf den Mund;

Und ich, ich konnt' nicht widerstehn,

Ich habe wieder ihn geküßt,

Und kann noch immer nicht verstehn,

Wie's mir nur eingefallen ist.

Doch bin ich wirklich mir bewußt,

Daß dieser Kuß nichts Böses war;

War's doch nachher in meiner Brust

So rein, wie es gewesen war.

Ich hätt's auch Jedem gern getan,

Der irgend mir begegnet wär',

Und doch! - war' es ein andrer Mann, -

Je nun, - das fragt sich doch noch sehr!