Zur Beruhigung
E. Hess
Der Eremit im härnen Kleid
In seiner dürren Wüsten
Kann leicht sich mit Enthaltsamkeit
Und treuer Liebe brüsten.
Wer aber schwimmt im Strom der Welt
Und doch dem Lieb die Treue hält,
Verdiente wohl zum Lohne
Von Rosen eine Krone.
Es steht mein Sinn nach dir allein,
Nach dir und keiner andern;
Ich denke dein bei Sonnenschein
Und wenn die Sterne wandern.
Und so ich hin und wieder schau'
In andre Augen braun und blau,
So musst du dich nicht grämen
Und mir's nicht übelnehmen.
Und schwenk' ich Dirnen schlank und leicht
Zu lust'gen Fiedeltönen,
So denk' ich: Keine einz'ge reicht,
Das Wasser meiner Schönen.
Und küss' ich einen rothen Mund,
So hat das weiter keinen Grund,
Als dass ich in der Ferne
Das Küssen nicht verlerne.