Mai-Ahnung

Humperdinck, Engelbert

Es weht durch hellschimmernde Wipfel der Frühling

und küsset die Knospen, die harrenden, frei.

Der Morgen ist duftig, es rauschen die Winde,

es schmettern die Vögel: Feinsliebchen herbei, herbei!

Wer froh ist im glücklichen Morgen des Lebens,

ist doppelt beglücket im goldenen Mai.

Es jubelt das Herz ihm, er singt mit den Vögeln

des Waldes die Botschaft: Feinsliebchen herbei, herbei!

Wem dann aber traurige Wehmut die Seele

erfüllt mit Gedenken viel bösen Geschicks,

dem wecken die Lenze im Jubel der Welten

die Schatten des alten verlorenen Glücks.

Dann lässt ihn das Rauschen, das Duften der Blüten

in Träume versenken das irdische Leid.

So finden sie alle, die jubeln, die trauern,

sie finden im Lenze die seligste Zeit.