Wiegenlied

Humperdinck, Engelbert

Es schaukeln die Winde

das Nest in der Linde,

da schließen sich schnell

die Äugelein hell.

Da schlafen vom Flügel der Mutter gedeckt

die Vögelchen süß bis der Morgen sie weckt.

Bei Mütterlein liegen

die Lämmer und schmiegen

ans Fell sich so dicht

und regen sich nicht.

Sie atmen so leise und werden erst wach

beim Zwitschern der Schwalben hoch oben am Dach.

Nur einzig die Sterne

am Himmel so ferne,

ob groß oder klein,

sie schlafen nicht ein,

sie schließen die strahlenden Augen nicht zu,

sie legen sich nicht mit den andern zu Ruh'.

Wenn aber mit Lachen

die Kinder erwachen,

das Lämmchen sich reckt,

der Vogel sich streckt,

dann müssen die Sterne, ob groß oder klein,

sie müssen in's himmlische Bettchen hinein.

Dann der darf nicht singen

am Morgen und springen,

wer während der Nacht

herum tollt und wacht.

Drum schlaf nur, mein Liebling, schlaf selig und fest,

wie's Lämmchen im Stall, wie der Vogel im Nest!