Ein Dichter blickt in den Mond
E. Moritz
Von meinem Garten aus hör ich bei Nacht
Das sehnsuchtsvolle Singen einer Frau, -
Ich aber blicke ruhig in den Mond.
Ich habe nie daran gedacht, die Frau,
Die in dem Nachbarsgarten singt, zu treffen, -
Ich blicke unablässig in den Mond.
Ich glaube, daß der Mond auch mich ansieht, -
Ein langer, schöner, voller Strahl aus Silber
Dringt durch den Äther still zu mir herab.
Die Fledermäuse flattern wohl zuweilen
Hin durch den überirdischen Strahl und machen,
Daß ich die Wimpern senke, wie verwirrt.
Richt ich das Aug dann wieder auf, so seh ich
Den Silberstrahl von neuem auf mir weilen,
Ganz unbeirrbar, so wie Schicksalsblick.