Die Nachtigall
E. Petschnig
Im Wäldchen vor dem Zechentor
singt jede Maiennacht die Nachtigall,
und ihres Liedes Perlenschnur
hängt silbern über Dach und Schlot.
Das Werk hält lauschend seinen Atem an,
Der Seile Schwung verebbt,
die Räder stocken,
Ventile schliessen sich und Kolben liegen tot
in den Maschinenhäusern,
an deren Fenster scheu mit leisem Finger
die blaue Mainacht klopft.
Im Kesselhaus vor müden Feuern
verschlafne Heizer hocken,
Maschinenwärter träumen, reden Worte,
die andre nicht berühren.
In dumpfen Stuben starren Schreiber
seltsamen Blicks auf Zahlen und Papier.
Im Wäldchen aber singt die Nachtigall
und spinnt aus Silberton und Mondesglanz
ein zauberlächelnd Traumgeflecht.