Das Bienchen
E. Schön
Wohin schweifst du, sag', o sage,
Bienchen, zu so früher Stunde?
Noch erglüht vom jungen Tage
Nicht ein Gipfel in der Runde.
Alle Blumen, schlafbefangen
In den grünen Knospendecken,
Lassen noch die Köpfchen hangen,
Bis sie wird der Morgen wecken.
Doch mit raschem Flügelschlage
Schwebst du hin in ems'ger Mühe.
Kleines Bienchen, sag', o sage,
Wohin schweifst du schon so frühe?
Suchst du Honig? Deine Schwingen
Brauchst du nicht mehr zu ermüden.
Will an einen Ort dich bringen,
Wo du ernten kannst in Frieden.
Ward von meinem Lieb dir Kunde,
Nice mit den schönen Augen?
Fliege hin zu ihrem Munde,
Dort ist Süßigkeit zu saugen.
Auf den Lippen roth und wonnig,
Die noch kaum "ich liebe" stammeln,
Findest du den reinsten Honig --
Bienchen, flieg', ihn einzusammeln!