Siehst du über jenen Hügeln
E. Steinbach
Siehst du über jenen Hügeln
Hoch den Falken dort?
Trüg' er doch auf seinen Flügeln
Meine Sehnsucht fort!
Oder könnt' ich sie versenken
In die tiefe See,
Müßte deiner nicht gedenken
Mit der Brust voll Weh.
Immer hör' ich noch das Rufen
Von des Wächters Horn,
Klang von fremden Rosseshufen,
Und des Ritters Sporn.
Seh' noch deines Schleiers Winken,
Als ich ritt hindann,
Lustig schmetterten die Zinken
Dem betrübten Mann,
Und auf meinen Lippen brennet
Noch dein letzter Kuß;
Was uns scheidet, was uns trennet.
Ist's nur Berg und Fluß?
Ach! es spiegelt in dem Thaue
Sich ein bleiches Bild,
Deine Augen, holde Fraue,
Glänzen sternenmild.
Und du breitest deinem Lieben
Wohl die Arme aus,
Fliegt hinan, vom Mönch geschrieben,
Brieflein dir und Strauß.
Bin zurück aus weiter Fremde,
Unterm Pilgerkleid
Trage ich das Panzerhemde,
Waffen und Geschmeid.
Bin gefahren durch die Lande,
Nie du mich verbannt,
Bringe von dem Turbanbande
Dir den Adamant.
Nimmer, Herrin, werd' ich weichen,
Bis du mich erhört,
Will mich in den Burghof schleichen,
Thürmer ist bethört.
Öffne, öffne mir die Pforte
In verschwiegner Nacht,
Wie's verheißen deine Worte,
Deines Lächelns Macht.
Will auf deinein rothen Munde
Finden süßen Trank
Und in trautem Liebesbunde
Meinen Minnedank.