Nachtmusik

E. Tauwitz

Still, sie schläft; nur leise, linde,

Spielt das Laub im Abendwinde;

Zart besorgt um Schlaf und Traum

Athmet in der Purpurfülle

Selbst die süße Rose kaum;

Stille, stille!

Still, sie schläft; mit sanfter Welle

Küßt der Bach die Blumenschwelle;

Stille! winkt ein Stern ihm zu;

Und der Wölkchen zarte Hülle

Birgt den Mond in sanft're Ruh;

Stille, stille!

Still, sie schläft; zu dunkler'n Halle

Flieht das Lied der Nachtigallen;

Liebe stirbt in Liebesschmerz;

Heilig sei des Herzens Wille,

Bis sich liebend neigt ein Herz;

Stille, stille!

Still, sie schläft; nur leise, linde

Rief ich gern, ein Blatt im Winde;

Ruhte sanft! daß Gute Nacht

Rings der tiefen Nacht entquille,

Aber -- daß sie nicht erwacht,

Stille, stille!