Rolands Tod
E. Volkmar
Roncesval, du Thal der Hirten,
Wo nur sanft die Flöte klang --
O wie heut der Schwerter klirrten
Deinen grünen Plan entlang!
Von den Basken wild erschlagen,
Liegen Karols Helden todt,
Unter Nachtigallenklagen
Sinkt die Sonne blutigroth.
Einer nur, der beste Recke,
Roland athmet noch allein;
An bemooster Felsenecke
Sitzt er dort im Abendschein.
Wie die halbgefällte Eiche
Tief getroffen bis ins Mark,
Neigt er's Haupt, das totenbleiche,
Und die Wunden bluten stark.
"Treues Schwert, das in den Fehden
Ritterlich den Sieg gewann!
Deine Blitze schreckten jeden,
Der auf Trug und Frebel sann.
Mit dem Übermuth zu rechten,
Der die Schwachen unterdrückt,
Für die Unschuld true zu fechten,
Hat mein Arm dich oft gezückt.
Doch die letzten Kräfte schwinden,
Scheiden muß ich, gutes Schwert!
Wird dich nun ein Ritter finden,
Ehrenhaft und deiner werth?
Sollt' ein Bube dich erwerben,
Der mit Frevel dich entehrt?
Sollte dich ein Feiger erben,
Daß dich bald der Rost verzehrt?
Ach, mir bricht das Herz vor Leide,
Kann dich nicht verlassen sehn;
Treues Schwert, wir wollen beide
Mit einander untergehn!"
Dreimal, daß die Funken stieben,
Haut er auf den Felsen ein;
Doch sein Schwert ist ganz geblieben,
Und zerspalten nur der Stein.
In sein Horn von Elfenbeine
Stößt er jetzt mit aller Macht;
Ob im Thal, ob wo im Haine
Noch ein Held, ein Bruder wacht?
Dreimal rief er in die Runde,
Bis das Hifthorn barst entzwei;
Sieh, da eilt zur gute Stunde
Dieterich der Held herbei.
"Eile, Bruder, denn ich sterbe;
Hier mein Schwert und hier mein Roß:
Nimm sie hin, sei du mein Erbe,
Wie du warst mein Kampfgenoß.
"Gott mit dir! ich fahr' im Frieden
Zu den Brüdren, zu dem Herrn."
Roland sprach's und hingeschieden
Ist der Ritterthumes Stern.