Geflügelte Blumen

F. Dannehl

Schau, wie am Raine

Leise die feine

Blume sich wiegt!

Aber o Wunder, die Blume hat Flügel,

Ueber den Rain und den buschigen Hügel

Schimmernd ein silberner Schmetterling fliegt!

Schöne Sylphide,

Freude und Friede

Wünsch' ich dir nach,

Wenn du die sonnigen Lüfte durchgaukelst,

Wenn du auf schwankendem Kelche dich schaukelst,

Schwingest dich über den blinkenden Nach.

Wo auf den Auen

Blüten zu schauen,

Kommt ihr daher,

Kommt ihr geflügelten Blumen geflogen,

Kommet ihr farbigen Segel gezogen,

Schwimmt durch der Lüfte kristallenes Meer!

Silbernen Schimmers,

Goldenen Flimmers,

Bräunlich geflammt,

Zierliche bläuliche Fittige regend,

Purpurgeränderte Fächer bewegend,

Feierlich schwebend im dunkelsten Samt!

Sonnige Felder,

Schattige Wälder,

Felsige Kluft!

Selbst bei der Alpen verkümmerlen Moosen

Sah ich auf einsamen Heiden euch kosen,

Leichte, genügsame Kinder der Luft!

Honig zu naschen,

Neckend sich haschen,

Fröhliches Spiel!

Jetzt in den duftenden Kelch sich versenken,

Jetzt in die sonnigen Lüfte sich schwenken,

Wie es der wechselnden Laune gefiel!

Früh mit der Sonne,

Trunken von Wonne

Gaukeln ins Feld,

Offene Tafel im Freien zu halten,

Abends die Flügel im Schlummer zu falten,

Rosen zum Polster und Lilien zum Zelt!

Glücklicher Falter,

Weißt nichts von Alter,

Siechtum und Not;

Sonnige Tage und wonnige Stunden,

Dann mit dem Sommer verweht und verschwunden,

Leicht ist dein Leben und sanft ist dein Tod!

Also durchs Leben

Spielend zu schweben,

Wurde mir nicht;

Möchten nur über den irdischen Grüften,

Seele, dir einstens die Flügel sich lüften,

Auf dich zu schwingen ins himmlische Licht!