Der arme Friedel
F. Dannehl
So oft die Linde blüht,
Zieht mich's zum Weiher hin,
Weiß in der weiten Welt keinen Ort,
Wo ich so traurig bin.
Ich war auf der Wanderschaft,
Sie saß daheim und spann,
Da hat man bei ihr mich so schlecht gemacht,
Wie's nur der Arglist kann.
Und als es zu viel ihr ward, --
Zu schlimm klang's, zu verrucht, --
Da hat sie, was sie nicht thun hätt' gesollt,
Im Weiher vergessen gesucht.
Nun ruht sie unter dem Baum,
Dicht an des Weihers Rand,
Und es säuselt wo nirgend sonst das Schilf
So klagend wie hier am Strand.
Und wo ich auch wandern mag, --
Sobald die Linden blühn,
Da läßt mir's nimmer Ruh noch Rast,
Da muß ich heimwärts ziehn.
Da schneid' ich ein Pfeifchen mir,
Ach, aus des Weihers Rohr, --
Als ob ich ihr eignes Stimmlein vernähm',
Klingt mir der Ton in's Ohr.
Da sitz' ich manchem Tag
Und grüble vor mich hin,
Weiß in der weiten Welt keinen Ort,
Wo ich so traurig bin.