Mein Engel den ich vom Himmel erbat

F. Danzi

Mein Engel, den ich

Vom Himmel erbat,

Zu leiten mich hier

Auf dornigtem Pfad;

Zu führen mich einst

Ins wonnige Land,

O lächle mir, Bothe

Vom Himmel gesandt.

Oft hab' ich geweint,

Oft hab' ich geklagt,

Daß hier so der Wurm

Das Röslein zernagt,

Daß Unschuld, so rein,

Wie Himmelskristall

Oft plötzlich sich neigt

Zum tödtlichen Fall.

O Engel, sei mir

Vor tausenden hold

Und hülle mich ein

In Flügel von Gold.

Noch bin ich so jung,

Und kenne noch nicht

Der Lüste Betrug

Im schlauen Gesicht.

Wenn Eitelkeit oft

Mit Blümlein mich neckt,

Und unter dem Straus

Die Schlange versteckt:

Wenn Thorheit mich sucht;

So eile geschwind

Und warne mich selbst,

Du himmlisches Kind.

Wenn Amor mir winkt

Mit frechem Gesicht,

Und hönisch verlacht

Die heilige Pflicht;

Mein Engel, so schlag

Die Flügel so laut,

Bis Amor entflieht

Und bis es mir graut.

Doch sitz' ich allein

Am goldnen Klavier,

Und sing' ich ein Lied,

Mein Engel, von dir;

So säusle in mich

Dein Himmelsgefühl

Und rüste mit Kraft

Mein goldenes Spiel.

Wenn Andacht mein Herz

In Himmel erhebt,

Das unter der Faust

Der Flügel erbebt;

So öffne du mir

Die künftige Welt

Bis glühend vom Aug'

Die Zähre mir fällt.

Einst drückest du mir

Zur ewigen Ruh

Mit Fingern von Duft

Die Äugelein zu.

Dann stürzt' ich dir -- ach!

Von Seligkeit warm

Als deine Vertraute

Mein Engel in Arm.

Dann lächelst du mir,

Dann nennst du mich Braut,

Und küssest mich sanft

Und himmlisch vertraut,

Und führest mich selbst

An rosichter Hand,

Du Bothe des Herrn,

Ins wonnige Land.