Lebenslied

F. Geyer

Wenn der Bach von lichten Höhen

nieder in die Tiefe schäumt,

willst du weinend abwärts sehen,

dass dein Traum vorüber träumt?

Aber nein, du singest noch

fröhlich deiner Jugend Lieder,

aber nein, du träumest doch

froh von Lenz zu Lenze wieder!

Wandelt, schmeichlerische Blicke,

welke, grünumlaubter Wald!

Nimmer klag' ich, dass dem Glücke

so der flücht'ge Ton verhallt.

Nein, die Liebe wandelt nicht,

nein, die Liebe darf nicht trauern,

die Liebe, sie strahlt ihr Licht

durch ein herbstlich Todesschauern

Ja, in Liebe will ich segnen,

was der frühe Morgen bringt,

und dem Abend froh begegnen,

der von and'rer Sehnsucht klingt.

Ja, so rausch', o Lebensfluss,

unter frohen Klängen nieder,

bis der Tod mit heißem Kuss

schließt die Lippen und die Lieder.