Ostara

F. Hiller

Ostara schwebt empor am Himmelsbogen,

gekrönt vom Strahlenkranz der Morgenglut.

Sie naht und küsset, Allem hold gewogen,

das Leben wach, das noch im Schlummer ruht.

Auf schlägt die Welt ihr Auge dann,

„Ostara!” jauchzt sie himmelan!

Ostara naht! Sie tauet mild hernieder

des jungen Frühlings süßen Zauberduft,

da sprengt erlöst die Knosp' ihr grünes Mieder,

der gold'ne Käfer steigt aus seiner Gruft:

„Ostara!” tönt's in süßem Klang,

und alles, alles wird Gesang.

Ostara singt! Bei ihres Auges Strahle

durchzuckt's den Geist der Völker wunderbar!

Es tagt, und aller Welt mit einem Male

wird ew'ge Wahrheit leuchtend offenbar.

Ostara rauscht es im Geisteswehen,

Ostara kommt das Aufersteh'n.

Ostara, komm! Sieh' deine Feuerflammen

ringsum von allen deutschen Bergen schon!

Ostara, komm! Uns auch lass allzusammen

im Eines deines Geistes Gluten loh'n!

Ostara jauchzet alles dann!

So bricht der Völker Frühling an.